Das Unified Project Management Framework

Ein kompakter Prozessrahmen für Projekte

Das Unified Project Management Framework (UPMF) ist ein Referenzmodell, das im Kern die Prozesse, Subdomänen und Rollen des Projektmanagements (PM) umfasst und in diesem Sinn einen Ordnungsrahmen für die kontextuell zielgerichtete Ausgestaltung von PM-Systemen darstellt.

 

Auslöser für die Entwicklung des UPMF war zum einen die Unzufriedenheit mit den bekannten PM-Standards, die aus einer jahrelangen Erfahrung in Projekten herrührte. Sind die einen Standards zu umfangreich, sind andere zu fokussiert, um als vollwertiges PM-System zu dienen. Zu letzteren sind insbesondere die agilen Vorgehensweisen zu zählen, deren prominentester Vertreter Scrum ist (auch wenn Scrum ein Rahmenwerk zur agilen Produktentwicklung ist, wird es in der Praxis doch vermehrt als vollständiges PM-Konzept (miss-)verstanden).

 

Zum anderen dient das UPMF zur systematischen Umsetzung des Lean PM-Ansatzes. Lean PM bezeichnet die operative Adaption von Lean Management-Prinzipien, -Methoden und -Werkzeugen auf die Prozesse des Projektmanagements und die fachlich-fortschreitende Projektbearbeitung (mehr). Mit dem UPMF liegt eine Disziplinen-Matrix für das PM vor, in der alle relevanten Prozessbausteine hierfür identifiziert sind.

 

Das nun vorliegende UPMF hat den Anspruch, bei möglichst geringem Aufwand das passende PM-System eines Projekts zu liefern. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Projekttypisierung, die schon vor Projektbeginn nicht benötigte Prozessschritte, Tools, Dokumente etc. eliminieren soll (analog zum zentralen Lean Thinking-Prinzip „Vermeidung von Verschwendung“). Es soll kein theoretisches Konstrukt bleiben, sondern ist so leichtgewichtig und verständlich aufgebaut, dass Anwenderunternehmen ihren PM-Reifegrad durch die Umsetzung von Lean PM mit Hilfe des UPMF steigern können, ohne dabei an großen Eintrittsbarrieren zu scheitern.

 

 

Wozu braucht man ein einheitliches PM-Rahmenwerk?

Im Bereich des (Einzel-) Projektmanagements haben sich eine Reihe von Frameworks etabliert. Dazu gehören insbesondere der Project Management Body of Knowledge, PMBoK Guide (PMI), die IPMA Competence Baseline, ICB, Projects in controlled Environments, PRINCE2 (AXELOS), das Kompendium zum Kompetenzbasierten Projektmanagement, PM4 (GPM), die DIN 69 900ff sowie die ISO 21 500 oder das Vorgehensmodell für IT-Entwicklungsprojekte der Bundesrepublik Deutschland (V-Modell XT).1 Aufgrund seiner erlangten Bedeutung in der Praxis der Projekte wird an dieser Stelle auch Scrum miteingeschlossen, auch wenn es explizit kein vollwertiges PM-Framework darstellt.

 

 

Die genannten Standards haben alle einen in wesentlichen Bereichen gemeinsamen Betrachtungsgegenstand − nämlich das Managen von Projekten beziehungsweise Produktentwicklungsprozessen (Scrum) − und unterscheiden sich unter anderem in der fachlichen Schwerpunktsetzung, im Wording, im Grad der Operationalisierung oder in der Managementphilosophie.

 

Vor dem Hintergrund des gleichen Betrachtungsgegenstands, nämlich des Projekts, kann man wohl sagen: Es ist vielfach derselbe Wein in unterschiedlichen Schläuchen.

 

Kernziel ist daher die Operationalisierung des Lean PM-Ansatzes mit Hilfe eines umfänglichen PM-Frameworks, um neben der durch das Lean PM gegebenen grundsätzlichen Sicht auf das Projektmanagement eine operative Anwendung von Lean PM zu ermöglichen. Bei der Ausgestaltung des UPMF lag der Schwerpunkt auf folgenden Merkmalen:

 

Was enthält das UPMF?

Kern des UPMF ist ein prozessorientierter Ansatz, in dem die Aktivitäten des PM im Verlaufe des Projekts im Allgemeinen wiederkehrend beschrieben werden:

 

Das UPMF-Big Picture
Das UPMF-Big Picture

 

 

Den Betrachtungsfokus für die o.g. Prozesse geben die PM-Disziplinen, zu denen beispielsweise das Management der Risiken, der Stakeholder, des Projektumfangs etc. gehören. Diese PM-Disziplinen werden in den bekannten PM-Standards unterschiedlich bezeichnet (zum Beispiel Wissensgebiete bei PMI, Themen bei PRINCE2) und strukturiert.

 

In der Ausgestaltung ergibt sich damit eine Matrix (Disziplinen x Prozessgruppen), in denen die Aktivitäten je nach Lage unterschiedlich intensiv bearbeitet werden.

 

Zur Beschreibung der Elemente des UPMF gehören in der vorliegenden Version die definitorische Erfassung, die zugehörigen Aktivitäten beziehungsweise Teilprozesse, typische Praktiken (Methoden und Tools), Prozessrollen sowie Erfolgsfaktoren und Kompetenzen.

 

Für wen ist das UPMF relevant?

Aus dem UPMF können verschiedene Zielgruppen Nutzen ziehen.

 

Zunächst ist das Modell für Organisationen (Unternehmen, Behörden etc.) relevant, die sich nicht einem der bekannten Standards verschreiben wollen oder die in dem von ihnen favorisierten Standard Lücken oder falsche Schwerpunksetzungen für ihr eigenes Projektgeschäft festgestellt haben.

 

Auch können Organisation das UPMF anwenden, die noch keinen ausreichenden PM-Reifegrad erzielt haben und diesen mit Hilfe des UPMF erhöhen wollen.

 

Schließlich stellt das UPMF für Organisationen ein Hilfsmittel dar, um klassische, plangetriebene Projektvorgehensweisen mit agilen Ansätzen zu kombinieren. In diesem Sinne ist das UPMF ein Ordnungsrahmen zur Entwicklung eines gegebenenfalls eigenen hybriden PM-Ansatzes.

 

 

Nutzer und Nutzung des UPMF
Nutzer und Nutzung des UPMF

Wieso ist das UPMF valide?

Zur Entwicklung des UPMF wurden auf Basis von etablierten PM-Frameworks Prozesse identifiziert und ein Rollenmodell mit Verantwortlichkeiten erstellt. Außerdem wurden PM-Erfolgsfaktoren, -Kompetenzen und -Praktiken auf das UPMF abgebildet und in dieses integriert.

 

Ergänzt werden die Elemente aus der eigenen vieljährigen Praxiserfahrung. Aus dem Scrum-Konzept werden zudem die dort definierten Prozeduren und Artefakte im Rahmen der Praktiken zugeordnet.

 

Das UPMF vereint daher die Elemente der etablierten PM-Frameworks, um so die Schwächen und Stärken der einzelnen PM-Frameworks auszugleichen und das teilweise widersprüchliche Wording (zum Beispiel „initiieren“ versus „definieren“) zu harmonisieren. Damit ist das UPMF ein universelles PM-Framework, das unabhängig von Projektgröße und -typ eingesetzt werden kann.

 

 

Das UPMF hat den Anspruch, universell und kompakt zu sein. Dies wird unterstrichen durch überwiegend tabellarische Darstellungen und das daraus abgeleitete Werkzeug UPMF-Navigator. Es ist in der vorliegenden Form im Rahmen konzeptioneller Arbeiten im Labor für Prozess- und Projektmanagement der Technischen Hochschule Mittelhessen, Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen, entstanden und will dem Leser die entsprechenden Instrumente an die Hand geben.

 

 

Das Booklet zum UPMF ist am 15.04.2020 erschienen.
Bis zum 15.06.2020 ist es als E-Book zum Einführungspreis beziehbar.

Praktiker und Wissenschaftler lade ich herzlich ein, zur Weiterentwicklung des UPMF mit mir in Kontakt zu treten. Ich freue mich über Ihre Rückmeldungen.

 

 

1 Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Beitrag berechtigt nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher frei benutzt werden dürften.

Grafiken: eigene Darstellungen unter Verwendung freier Visuals auf flaticon.com


 

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Kommentare: 2
  • #1

    Guido Bacharach (Donnerstag, 30 April 2020 11:23)

    Interessanter Ansatz. Wie steht der zum neuen europäischen Standard (soweit man den schon so nennen kann) PM2?

  • #2

    Claus Hüsselmann (Montag, 04 Mai 2020 10:18)

    Lieber Herr Bacharach,
    danke für Ihre Rückmeldung. Das OpenPM2 ist in der Tat aus verschiedenen Gründen noch nicht in die Ausarbeitung des UPMF eingeflossen. Im OpenPM2 sind klar die gleichen Einflüsse der bekannten Frameworks erkennbar, sodass keine substanziellen Abweichungen zu erwarten sind, sonden eher im Detail. Aber diese lohnt es sich, einmal anzuschauen ... ich nehme das mal in meine To Do-Liste auf.
    Viele Grüße
    Claus Hüsselmann